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Vietnam/Deutschland
Gute Luft und sauberes Wasser
Deutsche Unternehmen und Hochschulen haben einen guten Ruf wenn es um Wind-und Sonnenenergie geht, um gute Luft und sauberes Wasser. Kein Wunder, dass immer mehr Vietnamesen derzeit in Deutschland im Bereich Umweltschutz und Erneuerbare Energien studieren und forschen.
Nguyen Phuong Nam hat einen Traum – und der hat mit Würmern zu tun. „Wenn ich mein Studium in Bonn beendet habe, dann möchte ich nach Vietnam zurückkehren und mit modernen Methoden gegen die Umweltverschmutzung dort ankämpfen.“ Der 25-jährige ist Chemiker und sein Spezialgebiet auf den ersten Blick etwas unappetitlich, aber nützlich: Er erforscht, wie Würmer am besten als umwelt- und bodenfreundlicher, organischer Dünger eingesetzt werden können.

Nguyen Phuong Nam forscht in Bonn, weil er sich für den Umweltschutz in Vietnam engagiert
Nguyen Phuong Nam forscht in Bonn, weil er sich für den Umweltschutz in Vietnam engagiert
© dpa
Ökologisch sinnvolles Recycling
Nguyen Phuong Nam konzentriert sich voll und ganz auf seine Forscherarbeit über ökologisch sinnvolles Recycling. „Manchmal verlasse ich das Labor im Institut erst nach Mitternacht.“ Dann kehrt er in sein Studentenwohnheim zurück und fällt ins Bett. Seit Januar 2007 ist er als Forschungsstipendiat am Institut für Nutzpflanzenwissenschaft und Ressourcenschutz in der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. Hauptzahler ist die vietnamesische Regierung. Der DAAD stockt das Stipendium auf.

Auch ohne Stipendium
Der Chemiker ist ein Beispiel für viele. „Deutschland ist als Studienstandort für Vietnamesen außerordentlich attraktiv“, sagt Heinz Nastansky, der Leiter der DAAD-Außenstelle in Hanoi. Etwa 2000 Vietnamesen studieren derzeit in Deutschland; nur zehn Prozent davon sind Stipendiaten. Längst gibt es in Vietnam eine zahlungskräftige Mittelschicht, die sich ein Studium im Ausland leisten kann. Da schrecken auch Studiengebühren von 500 Euro pro Semester nicht ab.

„Die Basis für unsere starke Position ist von der DDR gelegt worden“, erklärt Nastansky. „Wir arbeiten nun daran, dass dieser Sympathiebonus auf die nächste Generation übertragen wird.“ Besonders interessant für vietnamesische Studierende ist der Umweltsektor – „neben den Ingenieurwissenschaften der wichtigste Bereich“, sagt Nastansky. Das geht vom klassischen Umweltschutz wie Abwasserbehandlung und Müllentsorgung über Erneuerbare Energien wie Biomasse und Erdwärme bis hin zur Verkehrstechnik, Stadt- und Regionalplanung. „Die Umweltverschmutzung in Vietnam ist ein massives Problem“, bestätigt Nguyen Phuong Nam. In der Landwirtschaft werden zu viele chemische Düngemittel eingesetzt. Deutschland habe gute Lösungen für Umweltfragen, deshalb habe er sich bewusst für Deutschland entschieden.

Rückkehrer stärken die eigene Wissenschaft
Auffällig ist, dass die meisten der Vietnamesen, die in Deutschland studieren, nach dem Abschluss rasch in ihre Heimat zurückkehren. „Das ist Patriotismus im positiven Sinne“, sagt Nastansky. „Viele Vietnamesen arbeiten nach ihrem Deutschlandaufenthalt lieber auf schlecht bezahlten Stellen ihrer Heimatuniversität und tragen damit maßgeblich zur dringend notwendigen Verbesserung der Hochschulausbildung bei, als lukrativere Angebote aus Wirtschaft und Industrie anzunehmen.“ So auch Nguyen Phuong Nam, der 2009 nach Vietnam zurückkehren wird. Das Regierungsstipendium sieht es so vor und er selbst will das auch. „Ich liebe meine Heimat. Und ich habe die Mission, für mein Land zu arbeiten. Vietnam braucht dringend junge Wissenschaftler.“

Uni Greifswald - Netzwerk erneuerbare Energie
Uni Greifswald - Netzwerk erneuerbare Energie
© Uni Greifswald
Uni Greifswald pflegt ihre Beziehungen zu Vietnam
Traditionell enge Beziehungen zu Vietnam unterhält die Universität Greifswald. Auch hier rücken Forschungsprojekte zum Umweltschutz und zu den Erneuerbaren Energien immer weiter in den Vordergrund. Besonders interessant für Studierende aus Vietnam: Das „Netzwerk Erneuerbare Energien“, das derzeit im Aufbau ist. „Universitäten, Fachhochschulen und private Firmen kooperieren miteinander im internationalen Rahmen“, erklärt der Greifswalder Assistenzprofessor Dr. Jörn Kasbohm. Eines der Projekte im „Netzwerk“ hat die Abwasserbehandlung im ländlichen Raum in Vietnam zum Gegenstand. Dabei geht es auch um eine mögliche Nutzung für die Aquakultur, wobei die Energie für die Fischzucht aus Sonnenkollektoren gewonnen wird.

In der Tat: Beim Umwelt- und Klimaschutz ist Deutschland weltweit an der Spitze. Das gewachsene Bewusstsein um die Gefährdung des Klimas und die gewaltigen Umweltprobleme gerade in Schwellenländern wie Indien und China lösen einen Nachfrageboom für die deutsche Umweltindustrie aus. Unternehmen aus Deutschland sind in dieser Wachstumsbranche führend, ob es nun um Windkraft und Solaranlagen geht, oder um Wasseraufbereitung und Energieeffizienz.

An einigen Universitäten sind bereits komplette Studiengänge zu regenerativen Energien entstanden. Die Universität Oldenburg bietet zum Beispiel am Zentrum für Windenergieforschung den internationalen Studiengang „Postgraduate Programme Renewable Energies“ an. Ziel ist es hier, auf die Bedürfnisse der Industrie einzugehen und nicht am Bedarf vorbei auszubilden.

Autorin: dpa
Veröffentlichungsdatum: 01.11.2007
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