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Buchmesse Frankfurt |
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Deutsch reicht nicht zur Integration |
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Welche Rolle spielen eigentlich Deutschkenntnisse bei der Integration von Ausländern? Eine engagierte Expertenrunde diskutierte diese Frage auf Einladung des DAAD im Internationalen Zentrum auf der Frankfurter Buchmesse.
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DAAD-Diskussion im Internationale Zentrum lockte viele Besucher an
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| © Monika Paulick |
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Zurzeit leben 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland und ihre Integration ist – im Vergleich zu den Vereinigten Staaten – in vielen Fällen mehr schlecht als recht gelungen. In der vom DAAD veranstalteten Diskussionsrunde auf der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober berichtete die SPD-Politikerin Lale Akgün aus ihrer früheren Erfahrung als Schulpsychologin: „Viele in Deutschland geborene Kinder mit Migrationshintergrund sind sowohl in Deutsch als auch in ihrer Muttersprache ‚Halbsprachler’, die keine der beiden Sprachen richtig beherrschen.“
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Zuerst eine Sprache richtig beherrschen?
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Aus der Beobachtung, dass viele Kinder besser deutsch lernen, wenn sie erst nach dem Abschluss ihrer Grundschulzeit nach Deutschland kommen, haben Erziehungswissenschaftler und Soziologen abgeleitet, dass man zuerst eine Sprache richtig beherrschen muss, bevor man eine zweite lernen kann. Die bundesdeutsche Politik hat deshalb in den vergangenen Jahren verstärkt auf muttersprachlichen Unterricht gesetzt.
„Allerdings ist bisher nicht wissenschaftlich erwiesen, dass diese Maßnahme auch erfolgreich ist“, gab der Soziologie-Professor Hartmut Esser zu bedenken. In einer Meta-Analyse von etwa 30 internationalen Studien habe er keinen signifikanten Effekt des muttersprachlichen Unterrichts nachweisen können. Er plädierte deshalb auf der Frankfurter Buchmesse dafür, fundierte soziologische Studien anzustellen, bevor man der Politik einen „teuren Placebo“ empfehle, wenn andere Maßnahmen vielleicht hilfreicher wären.
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Annette Julius, DAAD, moderiert die Diskussion
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| © Monika Paulick |
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„Denksprache“ entwickelt sich durchs Lesen
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Als Psychologin gab Lale Akgün zu bedenken, dass der komplexe Vorgang des Spracherwerbs bisher noch nicht ausreichend verstanden wird. Vor dem eigenen Migrationshintergrund sagte sie: „Man muss zuerst über eine ‚Denksprache’ verfügen, bevor man eine weitere Sprache erlernen kann. Die ‚Denksprache’ erwirbt man aber nicht durch ständige Berieselung mit deutschem und türkischem Fernsehen, sondern durch Lesen.“ Damit verwies sie auf die Bedeutung der Bildung als Voraussetzung für Erfolg – und fand die Zustimmung der Juniorprofessorin für Erziehungswissenschaften, Havva Engin, die – einer Arbeiterfamilie entstammend – von ihren Eltern früh lernte, dass Bildung in der deutschen Gesellschaft die einzige Aufstiegschance für Migranten darstellt.
„Bildung hat mir die Integration in die deutsche Gesellschaft erleichtert“, sagte auch die aus Ruanda zugewanderte Studentin Delly Nishimwe. Sie gab Nachhilfe in Englisch und Französisch, was ihr nicht nur viele Kontakte bescherte, sondern auch bei der Vergabe des Vodafon-Stipendiums, zur Förderung von begabten Studierenden mit Migrationshintergrund, berücksichtigt wurde. Zwei weitere Stipendiaten, die mit ihr an der privaten European Business School in Oestrich-Winkel im Rheingau studieren, berichteten ebenfalls, dass der Bildungswille und das Einbringen eigener Fähigkeiten für sie wichtige Integrationsfaktoren gewesen seien.
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Auf die Frage, ob er sich als Iraner oder als Deutscher fühle, antwortete der Student Nawid Ali-Abbassi, er denke nicht in Kategorien der Nationalität, sondern fühle sich als Weltbürger. In diesem Sinne argumentierte auch der aus den USA stammende Professor für Amerikastudien Crister S. Garrett von der Universität Leipzig. „Ich sehe mich als Teil einer Gruppe, die bereit ist, weltweit zu arbeiten. Geistige Flexibilität ist für mich eine Schlüsselqualifikation für Integration.“ Darin pflichteten ihm auch die übrigen Diskussionsteilnehmer bei: Integration ist letztlich ein sozialer Prozess, in dem Spracherwerb zwar wichtig, aber doch nicht alles ist.
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Autorin: Anne Hardy |
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Veröffentlichungsdatum: 17.10.2007 |
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© DAAD |
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