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Alltagsutensilien dekonstruiert |
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Der mexikanische Bildhauer Damián Ortega zeigt neue Installationen in Berlin: in der DAAD-Galerie und im Hamburger Bahnhof. Bis zum Sommer war der 40jährige Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
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Als der mexikanische Bildhauer Damián Ortega nach Ablauf seines DAAD-Stipendiums seine Berliner Wohnung räumte, machte er eine überraschende Entdeckung. „In einer Schublade fand ich eine Mappe mit Skizzen für Projekte, die ich mir für mein Jahr in Berlin vorgenommen hatte – und tatsächlich hatte ich fast alle verwirklicht.“ Die Zeit in Berlin sei sehr konzentriert und fruchtbar gewesen, berichtet Damián Ortega: „Ich hatte wunderbare Arbeitsbedingungen und auch viel Ruhe.“
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daadgalerie zeigt: Man is the Controller of the Universe
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| © the artist/ Foto:Nadine Dinter |
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Mit der Ruhe ist es zunächst einmal vorbei. Zurzeit werden in Berlin gleich zwei Ausstellungen mit Werken von Damián Ortega gezeigt. In der DAAD-Galerie ist (noch bis zum 27. Oktober) die Installation „Man is the Controller of the Universe“ zu sehen. Sie zeigt Werkzeuge aller Art, die Ortega auf Berliner Flohmärkten erstanden und zu einer explodierenden Wolke von rostigen und antiquierten Werkzeugen gruppiert hat. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf eine Wandmalerei des mexikanischen Künstlers Diego Rivera („Man, Controller of the Universe“), die 1933 von Nelson Rockefeller in Auftrag gegeben worden war. Da in diesem monumentalen pathetischen Werk das Porträt Lenins erschien, ließ Rockefeller die von ihm beauftragte Wandarbeit noch vor der Vollendung zerstören. Rivera führte eine zweite Fassung aus, die bis heute im Palast der Schönen Künste in Mexiko City ausgestellt ist. Die Ironie dieses Titels sei wohl kaum zu übersehen, sagte Friedrich Meschede, stellvertretender Leiter des Berliner Künstlerprogrammes, bei der Eröffnung der Ausstellung.
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Damián Ortega im Hamburger Bahnhof: Nine Types of Terrain 2007
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| © the artist/ Foto: Nadine Dinter |
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Nominiert für den „Preis der Nationalgalerie für junge Kunst“
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Einen Tag zuvor hatte Ortega seine Installation „Nine Types of Terrain“ im Hamburger Bahnhof, Berlins führende Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst, vor vielen Tausend Besuchern präsentiert (zu sehen bis 4. November). Neben drei anderen Künstlern ist Ortega für den „Preis der Nationalgalerie für junge Kunst“ nominiert. Er ist mit 50.000 Euro der am höchsten dotierte Preis für Gegenwartskunst in Deutschland. Die Entscheidung fällt am 27. September. „Diese Nominierung ist für mich eine wunderbare Sache“, sagt Ortega, „ich freue mich natürlich, hier in diesem Land so wahrgenommen zu werden.“
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Alltagsgegenstände sind sein Ausgangsmaterial
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Seinen internationalen Durchbruch erlebte der Mexikaner, Jahrgang 1967, bei der Biennale in Venedig 2002. Im Rahmen einer Gruppenausstellung präsentierte er seinen alten VW-Käfer – in Einzelteile zerlegt. Das Werk wurde zu einem Publikumsliebling in Venedig. Der Gebrauch von Alltagsmaterialien, die durch Dekonstruktion und Anordnung im Raum eine neue, oft überraschende und fast immer politisch grundierte und ironisch gebrochene Bedeutung bekommen, sind sein Arbeitsprinzip. Die Ergebnisse können als Video, Skulptur, Foto oder Installation in die Welt treten.
Ortega bezeichnet sich selbst – mit einem gewissen ironischen Augenzwinkern – als Spross einer mexikanischen „Künstler- und Intellektuellenschicht, bestehend aus Half Hipsters, Macho-Taoisten und Mode-Kommunisten“. Sein Vater war Schauspieler, die Mutter Lehrerin in einer experimentellen Schule. „Um meine künstlerische Arbeit zu verstehen“, erläutert Ortega in einer Selbstdarstellung, „ist es wichtig zu wissen, dass ich in jenes ziemlich radikale und spannende Umfeld in den 1960er und 70er Jahren hinein geboren bin.“
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In Berlin wird Kunst ernst genommen
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Dieses Umfeld, aber auch Aufenthalte in Lissabon und Rio de Janeiro, wo er sich mit den Vorstadt-Slums, den „Favelas“ auseinandersetzte, haben die Sicht des Künstlers auf die Welt geprägt. Auf die beliebte Frage, warum er Kunst mache, antwortet er: „Ich vermute, ich kann ganz einfach nichts anderes machen.“ Seiner Existenz als Künstler wird er – auch nach Ablauf seines DAAD-Stipendiums – zunächst weiter in Berlin nachgehen. „Ich kenne keine Stadt“, nennt Damián Ortega als Grund für diese Entscheidung, „in der Kunst so ernst genommen wird.“
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DAAD-Galerie Zimmerstr. 90-91 10117 Berlin Geöffnet: Montag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr
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Autor: Horst Willi Schors |
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Veröffentlichungsdatum: 20.09.2007 |
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© DAAD |
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