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Weihnachten in ...
Bethlehem: Wo alles begann
Wer darf wo in der Geburtskirche putzen und wann wird eigentlich Weihnachten gefeiert? Die Christen der Welt streiten sich ...
In Bethlehem scheint die Sonne, es ist angenehm warm, fast 20 Grad, und der Fremdenführer hat große Schwierigkeiten, seine Touristen davon zu überzeugen, dass auch im palästinensischen Bethlehem im Dezember Schnee fällt – fallen kann, allerdings schon einige Jahre lang nicht gefallen ist. Trotzdem darf man der Geschichte glauben, dass Josef vor zweitausend Jahren für seine Maria verzweifelt nach einem warmen Ort gesucht hat, an dem sie ihr Baby, das Jesus-Kind, zur Welt bringen sollte. Schließlich weiß jeder Tourist, dass es nach Sonnenuntergang in Bethlehem und noch mehr in Jerusalem oder dem weiter nördlich und höher gelegenen Ramallah sehr kalt werden kann.

Krypta der Geburtskirche in Bethlehem: Der Stern markiert die Stelle, an der Maria Jesus geboren haben soll.
Krypta der Geburtskirche in Bethlehem: Der Stern markiert die Stelle, an der Maria Jesus geboren haben soll.
© DAAD/Muhareb
Streit ums Putzen
In der Geburtskirche in Bethlehem, auf Arabisch nach der Krippe (al-mahd) „kniset al-mahd“ benannt, wird in den Tagen vor Weihnachten geputzt. Jahr für Jahr ist das Putzen eine hochpolitische Angelegenheit. Denn die Christen dieser Welt streiten sich nach Herzenslust darüber, wer denn nun genau welchen Quadratmeter Boden oder Wand in der Geburtskirche putzen darf: die Griechisch-Orthodoxen, unter deren Kontrolle die eigentliche Geburtskirche steht, oder die armenisch-orthodoxen Mönche, denen man einen Teil der Geburtskirche zugestanden hat. In diesem Jahr lief alles relativ friedlich ab, da jeder den ihm zugestandenen Teil zum festgelegten Termin putzte ...

Weihnachten dreimal hintereinander
Gefeiert wird das Weihnachtsfest in Bethlehem gleich mehrere Male. Bis heute konnten sich die Christen nicht auf ein Datum einigen. Yasir Arafat versuchte als palästinensischer Präsident, endlich Ordnung zu schaffen: Weihnachten wird seit Mitte der neunziger Jahre in den Gebieten der palästinensischen Autorität nach dem westlichen Kalender gefeiert, also am 24. Dezember, Ostern dafür nach dem östlichen Kalender, also entsprechend dem griechisch-orthodoxen Datum. Aber auch Arafat konnte sich nur in Ramallah und den Dörfern im Westjordanland durchsetzen. In Jerusalem und Bethlehem scherten sich die Christen keinen Deut um den wohlgemeinten ordnungsstiftenden Ukas aus Ramallah.

Die ersten Weihnachtsfeiern finden in Bethlehem am 24. Dezember in der direkt an die griechisch-orthodoxe Geburtskirche angebauten katholischen St. Katharinen Kirche statt. Der katholische Patriarch kommt aus Jerusalem und zieht mit seinem gesamten Tross in die Kirche ein, wo um Mitternacht der Weihnachtsgottesdienst beginnt.

Etwa zwei Wochen später, am 7. Januar, wird das griechisch-orthodoxe Weihnachten gefeiert, zu dem der griechisch-orthodoxe Patriarch aus Jerusalem anreist. Knapp zwei weitere Wochen später, am 19. Januar, feiern dann die armenischen Christen ihr Weihnachtsfest.

Die Prozession wartet vor der Geburtskirche auf den völlig verspäteten Einzug des katholischen Patriarchen aus Jerusalem.
Die Prozession wartet vor der Geburtskirche auf den völlig verspäteten Einzug des katholischen Patriarchen aus Jerusalem.
© DAAD/Muhareb
Seit 1993 ist es wegen der immer schärferen israelischen Militärkontrollen von Jahr zu Jahr schwieriger geworden, aus Jerusalem (Ost-Jerusalem wurde von Israel annektiert) nach Bethlehem (das unter Besatzung steht) zu kommen. Inzwischen muss man die neugebaute Mauer passieren, die Bethlehem brutal von Jerusalem abschneidet. Davon sind auch die Jerusalemer Patriarchen nicht ausgenommen und die Gläubigen müssen in Bethlehem immer wieder stundenlang auf ihre jeweiligen Patriarchen warten.

Den Tross der jeweiligen Bischöfe leiten zwei traditionell gekleidete Jerusalemer Muslime, indem sie mit ihren Stäben rhytmisch auf den Boden schlagen: Bis heute ein lebendiges Zeichen des muslimischen Schutzes, unter dem die Christen Palästinas seit Omar Ibn al-Chattab (638) stehen.

Santa Claus in Palästina
In Ramallah und Bethlehem und im christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt, und ebenso in den christlichen Gemeinden in Israel, also vor allem in Nazareth und vielen Dörfern in Galiläa, ist „Santa Claus“ in den letzten Tagen vor Weihnachten überall auf der Straße zu sehen, als getreues Nachbild des Weihnachtsmannes, wie er in amerikanischen und europäischen Einkaufszentren zu finden ist. Hier ist Weihnachten vor allem das Fest der Geschenke geworden, begrenzt allerdings auf einige wenige Tage vor Weihnachten!

Selbst muslimische Familien können sich diesem Sog zum Feiern nicht entziehen: Die Kinder wollen ihren Weihnachtsbaum, unabhängig von der Religionszugehörigkeit – und die Eltern spielen mit. Bescherung ist, genau wie in Deutschland, am Heiligen Abend. Oft bestellen palästinensische Eltern den Weihnachtsmann, der dann die Geschenke verteilt.

Weihnachtsbäume - oder wer hat die richtige Religion?
Inzwischen feiern die meisten christlichen Familien im Lande Weihnachten mit einem Weihnachtsbaum. Sie sind meistens aus Plastik und werden Jahr für Jahr neu herausgeholt und geputzt. Geschmückt sind sie fast immer mit Lichterketten, die ununterbrochen bunt blinken.

Wer in Jerusalem einen echten Weihnachtsbaum möchte, der muss in der Woche vor Weihnachten sorgfältig die Zeitung lesen, um zu erfahren, wann die Jerusalemer Stadtverwaltung frisch gefällte Weihnachtsbäume an Christen verteilt. Alles was man dann noch braucht, ist Geduld, um in der Schlange anzustehen, sowie einen Ausweis, der bestätigt, dass man Christ ist. Dramatische Szenen spielen sich Jahr für Jahr ab, wenn Israelis, die aus Russland eingewandert sind, sich einen Weihnachtsbaum besorgen wollen – obwohl ihre neuen israelischen Papiere unzweideutig bestätigen, dass sie Juden sind. Aber wer will schon die Bräuche seiner Kindheit aufgeben!

Früchtekuchen und italienischer Panettone-Kuchen
An Weihnachten backen christliche Familien in Jerusalem als wichtigstes Weihnachtsgebäck Früchtekuchen, ähnlich dem englischen Fruit-Cake. Dabei gehört es zur Tradition, dass man die (muslimischen) Nachbarn beschenkt. Ein gewitzter muslimischer Supermarktbesitzer in Jerusalem hat in den letzten Jahren den italienischen Panettone-Weihnachtskuchen eingeführt, der den alten palästinensischen Früchtekuchen immer mehr verdrängt. Wer etwas auf sich hält, kauft für die Familie jetzt Panettone. Nur Familien, die die Tradition hoch halten, backen weiterhin ihren eigenen Früchtekuchen.

Weitere Informationen
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Autorin: Helga Baumgarten, Leiterin des DAAD-Informationszentrums in Ost-Jerusalem
Veröffentlichungsdatum: 22.12.2006
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